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Herstellung
Cachaça - Das Herz Brasiliens PDF Drucken E-Mail

Von Sascha Lehnartz

6.000 Cachaca Sorten gibt es in BrasilienMan kann nicht behaupten, dass Coronel Xavier Chaves besonders verkehrsgünstig liege: Das Nest befindet sich rund 325 Kilometer westlich von Rio de Janeiro im brasilianischen Bergbau-Bundesstaat Minas Gerais. Die nächstgelegene halbwegs bekannte Ortschaft ist Tiradentes, eine malerische ehemalige Minenstadt, die seit den siebziger Jahren zunächst von Künstlern und bald darauf auch von Touristen wiederentdeckt wurde. Von dort führen zwei Wege nach Coronel Xavier Chaves: ein direkter (15 Kilometer), auf dem man sich garantiert verfährt, denn er ist brasilianisch ausgeschildert und weitgehend asphaltfrei, sowie ein Umweg (23 Kilometer), den bei Tageslicht zu finden man recht gute Chancen hat.

Es gibt allerdings nur zwei Gründe, die Reise auf sich zu nehmen: Entweder man begeistert sich für die dort traditionell gepflegte Knüpfkunst der abrolhos (überall in Coronel Xavier Chaves hängen handgefertigte Decken, Vorhänge und Tücher aus den Fenstern). Oder aber man hat eine Schwäche für das brasilianische Nationalgetränk Cachaça. In Coronel Xavier Chaves steht nämlich die älteste noch funktionierende Cachaça-Brennerei Brasiliens, Engenho Boa Vista.

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Anbaugebiete PDF Drucken E-Mail

Zuckerrohr

Zuckerrohr wächst in den verschiedensten Teilen der Welt und fast überall wird der Saft vergoren und zu Zuckerrohr-Destillaten verarbeitet. Der größte Anbieter solcher Destillate waren einst die Verinigten Staaten von Amerika. Mittlerweile ist Brasilien das Land mit der höchsten Produktion. Neben kleinen traditionellen Destillen in der Karibik, spielt die Musik heute hauptsächlich in Asien und auch Indien. Die Popularität der Caipirinha und die sich daraus entwickelnde Nachfrage nach Cachaça rief viele Produzenten auf den Plan, die von diesem Boom profitieren wollten.

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Geschichte und Tradition PDF Drucken E-Mail
GeschichteDie Produktion des Zuckerrohr-Destillates begann kurz nach Einführung des Zuckerrohres in den Jahren 1530 - 1550 durch die portugiesische Krone. Mit der Möglichkeit des Zuckerrohranbaues gewann Brasilien für die Portugiesen erst wirklich an Bedeutung, denn Zucker war damals so teuer wie Gold. Es wurde Exportprodukt Nummer 1 und führte dazu, dass Sklaven aus Afrika nach Brasilien gebracht wurden, um die Felder bewirtschaften zu können. Den Sklaven wurde ein Teil des Saftes, der aus Zuckerrohr gewonnen wurde, überlassen.
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Bezeichnung artesanal und Alambique PDF Drucken E-Mail

Cachaca artesanal Qualität Auf Etiketten sind oft die Bezeichnungen "artesanal" und "Alamabique" zu finden. Was hat es damit auf sich? Prinzipiell gibt es für Cachaça zwei Herstellungsmöglichkeiten - ein industrielles und ein traditionelles Verfahren. Das industrielle führt zu Produkten, die in großen Mengen hergestellt werden können und in Supermärkten zu finden sind. Diese werden schnell und billig produziert ohne das sich das Potential des Zuckerrohres entfalten kann.

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Reifung PDF Drucken E-Mail
Reifung

Aus dem Rohstoff Zuckerrohr entstand über die Fermentierung und Destillierung ein Stoff, der, wie man in Brasilien sagt, noch ausruhen muss. Durch Hinzufügen von Wasser wird der Alkoholgehalt reguliert und mit Zucker der Geschmack. In den traditionellen Alambiques - Brennereien - darf der edle Tropfen noch "ausruhen" und sein Aroma entfalten bevor er in Flaschen gefüllt wird. Während für Cognac, Whiskey und Rum nur Eiche zur Reifung eingestzt werden darf, stehen für das Zuckerrohrdestillat aus Brasilien 25 zugelassene Holzsorten zur Verfügung.

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Destillation PDF Drucken E-Mail
Cachaça
Alambique
Die Destillation macht aus dem fermentierten Saft ein Getränk mit mindestens 38% Alkohol. Cachaça darf maximal 48% Alkohol besitzen, Aguardente de Cana maximal 54%. Sinn und Zweck der Destillation ist aber nicht immer die Anreicherung des Alkohols.

Prinzipiell kann auf 2 unterschiedliche Arten gebrannt werden - kontinuierlich und diskontinuierlich.

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Fermentation PDF Drucken E-Mail
Cachaça
Fermentation
Zuckerrohr entfaltet seinen besten Geschmack, wenn es frisch ist, da nach der Ernte der Abbau der Saccharrose im Zuckerrohr beginnt. Ist das Zuckerrohr geerntet, zählt also jede Minute bis zur Verarbeitung. Für einen aromatischen Cachaça muss das Zuckerrohr spätestens nach 24 Stunden ausgepresst und verarbeitet sein. Aus diesem Grund sind die Brennereien meistens inmitten der Zuckerrohrfelder zu finden.

Der gewonnene Saft wird gefiltert, oftmals dekantiert, in großen Bottichen gesammelt, mit Hefe versetzt und vergoren.

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Zuckerrohr PDF Drucken E-Mail
Cachaça

Wasserrad-ParatyBasis für Cachaça (und auch für Rum) ist Zuckerrohr. Frischer Zuckerrohrsaft ist die Basis für Cachaça und Melasse die Basis für Rum. Je nach Zuckergehalt und Reifegrad der Pflanze wird Cana - wie Zuckerrohr auf portugiesisch heißt - teilweise ganzjährig geerntet. In Zeiten mit starkem Regen ist der Zuckergehalt niedrig und liegt bei etwas über 10%, in trockenen Zeiten erreicht er 20%. Es wurden auch schon 28% in Bahia gemessen. Um ordentlich gedeihen zu können, braucht das anspruchslose Zuckerrohr Temperaturen zwischen 25 und 30° - ist es kälter, verlangsamt sich das Wachstum, unter 15°C wächst die Pflanze nicht mehr. Der Wasserbedarf der Pflanze ist sehr hoch - es darf aber nicht stehen, da sonst die Pflanze fault. Es sind also hügelige Anbaugebiete vorteilhaft.

 

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Rhum agricole PDF Drucken E-Mail
Cachaça

Karibik

Rhum agricole und Cachaça werden beide aus frisch gepresstem Zuckerrohr hergestellt und haben geschmacklich auch vieles Gemeinsam. Sind sie deshalb das Gleiche mit unterschiedlichen Namen? Wo verläuft also die Grenze zwischen Rum und Cachaça?

Ein Destillat aus frischem Zuckerrohrsaft wurde 1532 erstmals in Brasilien hergestellt. Es besaß einen Alkoholgehalt von rund 20% - hatte also kaum Ähnlichkeiten mit heutigen Spirituosen. Einen konkreten Namen gab es erst sehr viel später. Bis in das letzte Jahrhundert hinein wurden hunderte Namen verwendet – die auch heute noch umgangssprachlich verwendet werden. Selbst 1908 wurde noch die Ortsbezeichnung „Paraty“ als Bezeichnung für Cachaça in einem holländischen Wörterbuch (Aurélio Buarque de Holanda Ferreira, Dicionário) aufgeführt. Damals hieß es oft: „vamos tomar uma Paraty – trinken wir einen Paraty ...“. Cognac, Rum und Whiskey hatten sich da schon längst einen Namen gemacht.

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