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Zuckerrohr

Zuckerrohr wächst in den verschiedensten Teilen der Welt und fast überall wird der Saft vergoren und zu Zuckerrohr-Destillaten verarbeitet. Der größte Anbieter solcher Destillate waren einst die Verinigten Staaten von Amerika. Mittlerweile ist Brasilien das Land mit der höchsten Produktion. Neben kleinen traditionellen Destillen in der Karibik, spielt die Musik heute hauptsächlich in Asien und auch Indien. Die Popularität der Caipirinha und die sich daraus entwickelnde Nachfrage nach Cachaça rief viele Produzenten auf den Plan, die von diesem Boom profitieren wollten.

So ist aufgrund der niedrigen Produktionskosten vor allem die industrielle Massenproduktion in den letzten 40 Jahren enorm gestiegen. Viele traditionelle Brennereien hatten dem Billigbrand nichts entgegen zu setzen und gingen pleite. Auch der deutsche Grosshandel ist von diesem industriellen Billigschnapps dominiert, Qualitätsware ist dort eigentlich nicht zu finden.

Qualitativ hochwertige Cachaças werden als Cachaça artesanal de Alambique bezeichet. Rhum agricole wird nach den gleichen Methoden wie industrieller Cachaça in der Karibik destilliert. Es ist schwer Rhum agricole und Cachaça sensorisch voneinander zu trennen.

Ähnlich den europäischen Weinbaugebieten gibt es Regionen, die berühmt sind für ihren Cachaça. Hier seien die ehemaligen Hafenregionen Paraty, Florianópolis und auch die ehemalige Goldregion Minas Gerais in Brasilien genannt. Florianópolis war die letzte Möglichkeit Schiffe vor der schwierigen Passage um das Kap Horn mit Proviant - und Schnapps - zu beladen. Dabei durfte ein gutes Fass nicht fehlen. So entwickelte sich ein gutes Geschäft für hochwertigen Cachaça in Santa Catarina und Rio Grande do Sul. Das Bundesland Minas Gerais, in dem Salinas liegt, hat sich einen hervorragenden Ruf erarbeitet. Nicht umsonst kommt wohl der edelste Tropfen, der Anísio Santiago, aus Minas Gerais. Paraty galt lange als Synonym für Cachaça. Noch vor hundert Jahren stand der Name Paraty  für einen guten Cachaça. Diese Tradition wird heute noch gepflegt. Eine Reise nach Paraty lohnt schon allein des Cachaças wegen - aber auch die dortigen Sehenswürdigkeiten begeistern. Aber auch andere Gebiete wie Bahia können hochwertigen Cachaça anbieten. Der einzige Cachaça mit Bio-Siegel kommt von der Chapada Diamantina. Jede Region hat ihre eigenen Herstellungsweisen. Hier zeigt sich die Weitergabe der Kenntnisse von der einen zur nächsten Generation. So wird in Paraty schon seit Jahrhunderten anders fermentiert als in Salinas - der Hauptstadt des Zuckerrohrdestillates. Die Brennblasen in Paraty sind anders gebaut als in Minas Gerais.

Im Norden Brasiliens werden Destillate oftmals sehr exotisch verschnitten und mit Südfrüchten likörähnlich versetzt - was dem Geschmack eine interessante Note hinzufügen kann. So entstehen Variationen aus Zimt, Karamel, Vanille, Erdbeere oder Ananas. Ganz extravagant wird es, wenn Schlangen oder andere Tiere Verwendung finden - dann ähnelt das Ganze eher Medizin. Vielleicht wird ja auch deshalb dem Cachaça aphrotisierende Wirkung nachgesagt?

In Portugal werden Cachaças aufwändig und eher in Familienbetrieben hergestellt, die preislich weit über dem liegen, was Brasilien anbieten kann. Deshalb hat die portugiesische Brennerei auch mehr den Charakter eines Hobbies.

Um die brasilianischen Brennereien zu fördern wurden seit Anfang des Jahrtausends verschiedene Versuche unternommen, den Cachaça als brasilianische Marke zu etablieren und zu schützen. Aufgrund fehlender Abgrenzungsmöglichkeiten unterlag Brasilien vor der WTO im Jahre 2001 mit dem Versuch "Cachaça" als geschützte Marke anerkennen zu lassen. 2003 wurden in Brasilien Verordnungen verabschiedet, die die Herstellung spezifizieren und somit von anderen Produkten abgrenzen. Danach musste Brasilien in bilateraen Abkommen "Cachaça" als Marke einführen und den Wiederstand von Ländern wie Martinique und Portugal brechen. Mittlerweile darf der Name Cachaça nur für Destillate aus frischem Zuckerrohrsaft aus Brasilien verwendet werden. Nach wie vor wird Cachaça zollrechtlich als Rum behandelt. In den USA wird Cachaça als Brazilian Rum vermarktet.
 

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